Interview zum Social Commerce mit vintessa.com

Weiter geht’s in meiner Ecom-Interview-Reihe zum Social Commerce. Heute spreche ich mit Daniel Westerkamp (XING-Profil), dem Gründer des Start-ups www.vintessa.de. vintessa_logo-1 Daniel, wie bist Du auf die Idee zu Vintessa gekommen und was bietest Du genau an? Die Idee ist Stück für Stück gewachsen. Während meines USA-Studiums kam ich im Rahmen einer Vorlesung zum Consumer Behavior mit Gender-Marketing in Berührung. An der FH Düsseldorf habe ich zudem eine Vorlesung zum Thema Existenzgründung  besucht und als Aushilfskraft in einem Weinfachhandel gearbeitet. 2011 habe ich Vintessa gegründet und 2012 ging dann die erste Version des Online-Shops www.vintessa.de online. Mit Vintessa möchte ich  Frauen zwischen 25 bis 55 Jahre ansprechen. Das Sortiment umfasst Weine aus aller Welt, sowohl konventionell als auch biologisch angebaut. Ein besonderes Augenmerk gilt Weinen von Winzerinnen.

Welche Social Commerce-Strategie verfolgst Du? Geht es eher um Zuhören oder aktive Gestaltung? Auf jeden Fall eine aktive Teilhabe. Wir sehen Social Media als enorm wichtig an, mit steigender Tendenz. Das Zuhören in anderen, externen Kanälen gehört aber natürlich auch zu.

In welchen sozialen Netzwerken bist Du aktiv und was tust Du dort konkret? Natürlich bei facebook. Hiermit haben wir angefangen und posten hier regelmäßig Interessantes zu Weinen, z.B. Trinkgelegenheiten und passende Rezeptvorschläge. Pinterest ist für unsere Zielgruppenansprache besonders relevant, denn gut 70% der Pinterest-Nutzer sind weiblich. Deshalb haben wir in unserem facebook-Profil auch einen speziellen Pinterest-Reiter integriert. Hier können gleich unsere Pins betrachtet werden.

Welche Beiträge in Sozialen Medien erzeugen bei vintessa höchstes Engagement bzw. Viralität? Ganz klar Bilder und Videos, da diese im Gegensatz zu Text eher angeschaut bzw. angeklickt werden.

Eine klassische Komponente des Social Commerce sind Bewertungen und Empfehlungen. Wie stehst Du dazu? Die sind enorm wichtig. Im Shop können beispielsweise Kommentare etc. abgegeben werden und auch auf facebook wird das praktiziert. Was ich feststelle ist, dass Frauen sich mehr Ratschläge einholen, da sie eine perfekte Lösung, also den perfekten Wein, für ihren jeweiligen Anlass haben möchten.

Was machst Du sonst noch in Richtung Social Commerce? Ein eigener Blog ist in Planung. Momentan läuft das noch unter der Rubrik „Aktuelles“. Aber ein Blog erfüllt meiner Ansicht nach viele wichtige Funktionen – nicht nur die Vernetzung mit Kunden und Partnern, sondern auch die Suchmaschinenoptimierung wird positiv beeinflusst. Außerdem laufen Planungen in Richtung XING. Dort gibt es ja auch die Möglichkeit, eigene Beiträge zu bestimmten Themen zu posten. Ich werde XING verstärkt nutzen, um potenzielle Kunden und Kooperationspartner für Vintessa direkt anzusprechen.

Also meinst Du, dass alles, was momentan unter dem Begriff „Social SEO“ zusammengefasst wird, relevanter wird? Ich denke schon. SEO ist unerlässlich. Eine gute Programmierung des Shops, ein entsprechendes SEO-Plugin und guter Content, vor allem individuelle Produktbeschreibungen, sind uns wichtig. Social Signals aus Sozialen Netzwerken sind ebenfalls ein wichtiger Indikator für die Relevanz.

Was sind neben der Kundenansprache die größten Herausforderungen im Online-Weinhandel (IT, Prozesse, Fulfillment, etc.)? Kunden erwarten heutzutage einen perfekten Service und Abwicklung. Einfach nur einen beliebigen Online-Shop online stellen,  funktioniert nicht. Alle Prozesse müssen aufeinander abgestimmt sein und funktionieren. Die Auswahl des richtigen Shop-Systems ist zudem auf jeden Fall eine richtige Herausforderung! Das war eine schwierige Entscheidung.

Welches Shop-System nutzt Du und was sind Deine Erfahrungen? Gestartet sind wir mit Magento, aber sind vor kurzem auf drupal umgestiegen, da die Bedienung intuitiver ist und wir mit Magento immer mal wieder Probleme hatten. Bei drupal fehlen zwar auch einige Module, aber wir arbeiten daran.

Findet der Verkauf auch über andere Plattformen und Marktplätze statt? Wir starten in Kürze mit dem Verkauf ausgewählter Weine via Amazon Marketplace. Ebenso ist für uns Rakuten eine künftige Option, die momentan sehr innovativ an das Thema rangehen.

Sind andere Geschäftsmodelle außer ein Online-Shop denkbar für den Online-Verkauf von Wein? Ich finde Abo-Commerce interessant und denke momentan über diese Option nach. Ich könnte mir zum Beispiel eine Mädels-Box vorstellen, mit Rose-Wein und Cupcakes.

Wie hoch ist die Retourenquote? Das Problem ist glücklicherweise quasi zu vernachlässigen. Eine offene Flasche Wein schickt meist niemand zurück und bestellt beim nächsten Mal einfach einen anderen Wein, der eher seinen Geschmack trifft.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Wein-Accessoires und Wein-Präsente sollen die wachsende Angebotsvielfalt abrunden. Ein Showroom in Düsseldorf könnte das Online-Angebot abrunden, um dort Verkostungen und Events durchzuführen. Das Online-Marketing soll ausgeweitet und professionalisiert werden und eine englische Version des Shops an den Start gehen.

Mein Fazit: Die direkte Ansprache der Zielgruppe Frauen ist vielversprechend, da Frauen im E-Commerce bislang noch recht unspezifisch angesprochen werden. Dies bestätigen auch aktuelle Diskussionen zum sog. SHECommerce. Wein kann emotional aufgeladen vertrieben werden, z.B. im Rahmen von ‚Content Commerce‘ und Videos (Bsp. www.tvino.de). Auch innovativere Online-Business-Modelle wie Abo Commerce sind bestens geeignet und bieten künftiges Potenzial. Darüber hinaus ist Wein als Produktkategorie bestens für den Versandhandel geeignet, da quasi keine Verderblichkeit eintreten kann und die Logistik keine großartigen Anforderungen wie bspw. Kühlung erfordert.

Also: weiterhin viel Erfolg mit www.vintessa.de und ich bin speziell gespannt, welche Elemente des Social Commerce den Online-Weinhandel besonders beeinflussen werden.

Ein Gedanke zu „Interview zum Social Commerce mit vintessa.com

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